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Burschungsvortrag beim Esslinger Extisch am 08. November 2012

Unser Fux Bionic hielt am 8. November 2012 beim Extisch Esslingen auf dem Haus seinen Burschungsvortrag über Bilder ganz allgemein und speziell über die Fotografie.

Bionic berichtete, wie schon die Steinzeitmenschen Situationen im Bild festhielten. Das scheint ein altes Bedürfnis der Menschen zu sein, schon lange bevor sie zu schreiben gelernt hatten. Nur die Technik und die Methoden von Aufzeichnungen haben sich inzwischen gewaltig verändert. Letztlich ist Schrift nichts anderes, als der rudimentäre Rest von Bildern, wie man an der chinesischen Schrift heute noch sehen kann.

Große Meister schufen viel später mit Pinsel und leuchtenden, beständigen Farben detaillegetreue Kunstwerke, echte Dokumente der Zeit. Aber schon damals waren Darstellungen nach der Natur mühsam, nur von wenigen zu gestalten und sehr teuer. Außerdem waren die Abbildungen auch zu jener Zeit schon zum Teil mit reinen Fantasiegebilden vermischt, geschmückt oder gar verfälscht.

Man suchte deshalb nach Verfahren, um auf einfache Weise genaue Abbildungen zu machen. So entstand zum Beispiel die einfache camera obscura, mit der sich perspektivische Darstellungen einfacher, schneller und genauer zeichnen ließen. Ein weiterer Schritt auf diesem Weg war schließlich die Fotografie. Das Bild dercamera obscura wurde jetzt von einem lichtempfindlichen Blatt selber aufgezeichnet. Dieses war allerdings noch mit besonderen Verfahren zu entwickeln und zu fixieren. Der Fotoapparat, eine unbestechliche Maschine, die nahezu jederman bedienen konnte, lieferte erstmals echte Dokumente! Manipulationen am fotografischen Bild waren ursprünglich schwierig. Als die Bilder auch noch farbig wurden, schien endlich der Höhepunkt der preisgünstigen, schnellen und präziesen Abbildungs­technik erreicht.

Um die letzte Jahrhundertwende verschwand allerdings diese chemisch gestützte Lichtzeichnerei mehr und mehr. Elektronische Abbildungs- und Speicherverfahren traten an ihre Stelle. Sie sind, verglichen mit einem Film, völlig problemlos zu handhaben, sehr lichtempfindlich, uneinholbar schnell, extrem billig und erlauben, ungeheuere Mengen von Bildern auf kleinsten Speichermedien unterzubringen. Zudem braucht man die Bilder nicht mehr entwickeln, kann überflüssige löschen und damit den Speicher wieder frei machen.

An einem Beispiel hat Bionic sehr schön gezeigt: Grundsätzlich kann man aber mit beliebigen Bild- Ausschnitten aus dem Original leicht Bilder machen, die den ursprünglichen Sinn ins Gegenteil verkehren! Das hat dann nichts mehr mit dem Abbildungsverfahren zu tun, sondern ist ganz allgemein mit jedem Bild möglich.

Heute, mit der Digital-Fotografie, sind Manipulationen am Bild nur noch ein Kinderspiel. Wie schon die alten Meister ihre Gemälde fantasievoll ausgeschmückt hatten, so macht man heute zum Beispiel aus einem molligen Durchschnittsmodel durch Strecken oder Verzerren schnell eine makellose schlanke Schönheit. Die klassische Retousche wird durch einen Mausclick ersetzt. Der Leberfleck ist weg, die Haare sind brünett und die Augenfarbe blau. Mit Dokumenten haben solche Bilder dann leider nicht mehr viel zu tun.

Natürlich interessierten sich alte und junge Fotografen noch für viele Einzelheiten zu den neuen und den längst verflossenen alten Verfahren und Apparaten der Fotografie. Viele Detailles über Pixel, Auflösungen, Farbtemperaturen und Speicher wurden diskutiert und abgewogen. Die Entwicklung ist hier offensichtlich noch in vollem Gang.

Das war wieder ein nicht nur inhaltlich hoch interessanter Vortrag für alle, wie er sein soll. Bionic hatte sich erfolgreich an die Empfehlung gehalten, mit klaren Worten und nur wenigen treffenden Bildern seine Rede zu vertiefen und unterhaltsam zu gestalten. Die Corona stimmte zu: Er kann in den Burschesalon aufgenommen werden.

Zum krönenden Abschluss hatte Bionic noch für alle reichlich warmen Leberkäs mit Brötchen vorbereitet und verschiedene Getränke bereitgestellt. Über Bilder, klassische und digitale Fotografie, Entwickeln zu Hause und berümte Fotoapparate hatten wir dabei noch lange geredet. Dieser Extisch war eben für Aktive und Alte Herren gleichermaßen interessant und so soll es doch sein.

(Artikel: Horst Mauser v. Morse)

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