Das Horn – Burschungsvortrag von Chemikus (Artikel: Morse)

Wer glaubte, beim Esslinger Extisch einen Vortrag in Zoologie über das schmuckvolle Attribut verschiedener Wiederkäuer wie Rinder, Ziegen, Schafe oder Antilopen zu hören, wurde natürlich enttäuscht. Das Horn, auf dem unser Fuchs Bernd Bäurer v. Chemikus so meisterhaft zu spielen versteht, trägt nur noch den Namen der urtümlichen Blasinstrumente, die früher aus diversen tierischen Hörnern gefertigt waren. Sägt man nur die Spitze eines Tierhorns ab und bläst in die Öffnung, dann gibt das höchstens warmen Wind von sich, aber keinen Ton. Auch das moderne Horn tönt erst bei einer ganz besonderen Lippen- und Blastechnik, erfuhren wir vom Meister.

Es ist überliefert, dass Priester und Schamanen in Assyrien, Australien und Mexiko bereits um 2000 bis 1000 v. Chr. bei Kulthandlungen „Hörner“ geblasen haben. Das waren jedoch keine Tierhörner, sondern große Schneckenhäuser, Knochen oder hohle Holzprügel. Hirten gaben wohl schon in alter Zeit auch mit Hörnern ihrer Tiere Signale. Bis heute blieb davon das hebräische Schofar erhalten, ein Widderhorn, das heilige Instrument der Israeliten. Damit rufen sie die Gemeinde zusammen.

Die erste schriftlich benannte Trompete hat der biblische Moses auf Weisung des Herrn etwa 1000 v. Chr. „von getriebenem Silber …“ machen lassen. Aus dem frühen Mittelalter bekannt ist der Olifant, ein Horn, das aus dem ausgehöhlten Stoßzahn eines Elefanten geschnitzt und kunstvoll verziert war. Der Olifant war aber, bei aller Kostbarkeit, als Signalhorn ziemlich unbrauchbar, obwohl in der Literatur sein gewaltiger Ton beschrieben wird. Er wurde als besonderes Zeichen der Würde und Ehre und anstatt eines Dokumentes vom König vergeben.

Im Mittelalter diente das Hifthorn aus einem Rinderhorn als Signalhorn. Ähnliche Hörner wurden von Nachtwächtern, Feuerwärtern, Turmbläsern und Hirten verwendet. Metzger bliesen vor der Abreise zum Viehkauf in solche Tierhörner. Damit signalisierten sie, dass sie bereit waren, Briefe als so genannte „Metzgerpost“ auf ihren Fahrten mitzunehmen. Die ersten einfachen Hörner aus Metall wurden Anfang des 15. Jahrhunderts gefertigt. Der Postillion der Turn- und Taxis’ schen Post trug ein solches Horn bei sich. Damit kündigte er die Abfahrt und Ankunft der Postkutsche an. So kam bei uns die Post zu ihrem Markenzeichen, das sie bis heute verwendet.

Das Jagdhorn ist ein ganz einfaches so genanntes Naturhorn aus einer etwa 1,30 Meter langen kreisrund gebogenen Röhre ohne Ventile. Es hat zwar nur fünf spielbare Töne. Damit lassen sich aber die verschiedenen Jagdsignale blasen. Das Waldhorn ist ein ganz ähnliches Instrument mit einer drei bis vier Meter langen gebogenen Röhre. Durch Ventile kann man die wirksame Länge dieser Röhre während des Spielens verändern. Damit lassen sich jetzt mehrere Oktaven in Halbtonschritten spielen. Heute steht der Name „Horn“ für alle Instrumente mit einer dem Tierhorn ähnlichen Bauform, unabhängig vom Material. Dieses Horn hat seit dem 18. Jahrhundert einen festen Platz im Orchester.

Auf einem solchen wunderschön geformten Konzert- Horn nimmt Chemikus seit seinem 8. Lebensjahr Instrumental-Unterricht in der Musikkapelle Fürstenberg. Inzwischen hat er das Goldene Leistungsabzeichen der Blasmusik erworben und sogar begonnen, Hornschüler auszubilden. Aus der umfangreichen Hornliteratur spielt er besonders gerne Werke von Mozart und Strauss, den größten Komponisten für dieses Instrument.

Bei der Beschreibung der verschiedenen, höchst komplizierten Teile seines heutigen Horns, wie Mundstück, Rohrbögen, Ventile und Zubehörstücke und der damit möglichen Spielarten kam Chemikus regelrecht ins Schwärmen. Für Laien bleibt davon aber nur deren elegante Formenvielfalt und Schönheit bei dem empfindlichen Instrument in bleibender Erinnerung. Es ist interessant, dass der Hornist mit einer Hand im Trichter unsichtbar “mitspielt” und bei Bedarf während des Konzertes ganze Röhrensysteme der Instrumentes blitzschnell auswechseln kann. Damit lässt sich nicht nur der Klangcharakter verändern, sondern auch die Tonlage. Heute wird das Horn in der Stimmung zwischen den Holz- und den Blechbläsern eingeordnet.

Zum Abschluss brachte unser Tonkünstler natürlich auch noch verschiedene Hornsoli zu Gehör. Das war dann der Höhepunkt dieses besonderen Burschungsvortrags. Die recht zahlreiche Corona war begeistert und stimmte mit langem Beifall zu: Chemikus kann in den Burschensalon aufgenommen werden. Fuchsmajor Hooch übergab seinen musikalischen Fuchs an den Einskreuz Brandy, der ihm das dreifarbige Burschenband umlegte.

Das einzige, was den Kneipnamen Chemikus mit dessen Hobby verbinden könnte ist also allenfalls der Lack, mit dem das sehr schöne und kostbare Instrument geschützt wird. An sonsten betreibt Chemikus die Musik von modern über Jazz bis klassisch in verschiedenen Orchestern und Gruppen rein als Amateur zur Freude und Entspannnung.

In seiner Glanzzeit als Jugendmusiker übt er dafür fast täglich drei bis fünf Stunden! Jetzt, als Sudent des Chemieingenieurwesens, hat er für die geliebte Musik natürlich nicht mehr so viel Zeit. Um in Form zu bleiben ertönt das Horn aber trotzdem recht regelmäßig. Dank besonderer Dämpfer hört das aber der Zimmernachbar angeblich nicht.
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