Kasachstan, Land der Steppenreiter – Burschungsvortrag von Hooch (Artikel: Morse)

… so jedenfalls könnte man den Namen der zweitgrößten ehemaligen Sowjetrepublik übersetzen. Dieses Land liegt, – wie die Türkei – auf zwei Kontinenten, Europa und Asien und ist etwa doppelt so groß wie Spanien, Frankreich und Deutschland zusammen. Heute leben dort rund 6 Menschen auf einem Quadratkilometer, hierzulande sind es 231!

Andreas Frank v. Hooch (sprich Huusch) stellte in seinem Burschungsvortrag beim sehr gut besuchten Stuttgarter Extisch die Russlanddeutschen, das Land seiner Väter und dessen Besonderheiten vor. Die Begrüßung auf Russisch und sein frei gehaltener Vortrag waren beeindruckend. Er schmückte ihn nur mit wenigen markanten Bildern. So wie diesen wünschen wir uns eigentlich einen guten Burschungsvortrag!

Kasachstan ist zu zwei Dritteln praktisch unbewohnbare Sand- und Salzwüste. Hier liegt auch mit 132 m unter dem Meeresspiegel das nach dem Toten Meer tiefste Landgebiet der Erde. In der übrigen Gras- und Waldsteppe lebten bis ins 20. Jahrhundert hauptsächlich kasachische Nomaden. Feste Bauwerke hatten die fast keine. Kulturhistorische Denkmäler sind deshalb sehr selten.

Im 18. und 19. Jahrhundert holte die russische Zarin Katharina II, die Große, zehntausende Kolonisten aus Südwestdeutschland an die untere Wolga. Die bauten dort „Deutsche-Dörfer“. Als aber im Wolgagebiet bebaubares Land allmählich knapp wurde, erhielten die Familien nur noch für neugeborene Söhne Ackerland. Väter mit vielen Töchtern hatten folglich oft ein Problem.

Deshalb zogen drei Männer ein Jahr lang umher um neues bebaubares Bauernland zu suchen. Die Kundschafter fanden in Zentral-Kasachstan eine fruchtbare Ebene, etwa 90 km nordöstlich von Karaganda. Dort bauten die Siedler später den kleinen Flecken Wolsk, den man auf keiner Karte findet. 1913 verließen 50 Familien die Wolga und übersiedelten in das neu gebaute Dorf. Dort wurde Hooch 1988 geboren. Die restlichen „Deutschen“ aus dem Wolgagebiet verfrachtete Stalin erst 1941 nach Sibirien, Kasachstan und in die Ukraine.

Mit Weizen, Mais und Sonnenblumen fuhren die Deutschen jahrelang reiche Ernten ein. Sie hielten auch Rinder, einige Pferde und später kleinere Schweineherden. So brachten es die Großeltern und die Eltern von Hooch zu einem bescheidenen Wohlstand. Wie fast überall auf der Welt brauten auch hier die Leute für kalte Abende und fröhliche Feste ein besonderes Getränk. Traditionell mischten sie Zucker mit Wasser und Hefe und ließen das Gebräu gären. Oft setzten sie noch Weintrauben, Zwetschgen oder andere Früchte zu, was dem Wässerchen dann einen besonderen Geschmack gab. Richtig gebrannt entstand so ein weicher, sehr angenehm schmeckender ‚Wodka’: Der Samagon. Von dessen Wohlgeschmack konnte sich die ganze Korona bei einer Kostprobe überzeugen.

Die meisten größeren Städte in Kasachstan sind jung. In den 1940er Jahren verlegte Russland tausende Fabriken samt Personal nach Zentralasien. Es entstanden große Industriezentren – und eine enorme Umweltverschmutzung. Gewaltige Bewässerungsprogramme für die Landwirtschaft führten zu ökologische Spätfolgen, unter denen das Land bis heute leidet.

Im Nordosten entstand nach dem Krieg das sowjetische Forschungs-, Produktions- und Versuchszentrum für Kernwaffen. Ein Gebiet, groß wie Hessen, ist seither radioaktiv verseucht und unbewohnbar. Bekannter ist bei uns der russische Weltraumbahnhof von Baikonur, nördlich des Aralsees. Von dort war schon 1957 der legendäre Sputnik I ins All gestartet.

In Kasachstan lebt heute ein unglaubliches Völkergemisch unterschiedlicher Sprachen und Religionen friedlich zusammen. Die offizielle Amtssprache ist natürlich kasachisch, eine Turk-Sprache. Sie wird allerdings nur von etwa der Hälfte der Bewohner gesprochen oder wenigstens verstanden. Daneben spricht man hauptsächlich russisch, koreanisch und – deutsch!

Tourismus spielt in diesem früher so schönen Land keine Rolle. In den letzen 80 Jahren hat der Mensch die Umwelt in dieser Gegend immer stärker zerstört. Am deutlichsten sieht man das am Aralsee. 1960 war er noch der viertgrößte See der Erde. Zur Bewässerung von Baumwollfeldern entzog man den Zuflüssen so viel Wasser, dass seine Wasserfläche inzwischen auf weniger als die Hälfte schrumpfte. Die einstens ertragreiche Fischerei kam völlig zum Erliegen. Frühere Hafenstädte liegen heute bis zu 50 km vom Ufer entfernt in Salzwüsten. Wen wundert es da, wenn die einstigen Siedler dieses Land wieder verlassen und in die Heimat der Vorväter zurückkehren.

Heute lebt die Familie Frank in der Oberpfalz. Die fleißige Oma, eigentlich eine einfache Bauersfrau, beschrieb dort in acht Jahren das Leben und die Wanderschaft dieser Russland-Deutschen und ihrer Familien in zwei respektablen Bänden. Heute leben in dem von den deutschen Siedlern verlassenen Wolsk wahrscheinlich aus der Mongolei zurückgekehrte Kasachen. Genau weiß das eigentlich niemand, denn es gibt heute keine nennenswerten Kontakte mehr in das riesige Land der Steppenreiter.
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