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Portugiesischer Abend

– beim Extisch Esslingen

Dieser Abend war schon lange im Gespräch, aber im Januar fand dann unser AHP Vasco endlich Zeit,

extischEsslingen2016
Besucher des Extisch Esslingen

beim Extisch einen Vortrag über das Land seiner Väter zu halten. Dabei stand dieser Abend zuerst unter keinem sehr günstigen Stern: Es war der erste Schnee-Tag dieses Winters und Bundesbrüder von den Höhen der Alb oder anderer bergiger Regionen waren besser zu Hause geblieben.

Schon eine Stunde vorher begannen Vasco und seine Frau Silke die kulinarischen Landes-Spezialitäten sorgfältig mundgerecht zu schneiden und mit verschiedenen Weinen auf den Tischen zu verteilen. Trotz Eis und Schnee konnte Extischleiter Waule aber an diesem Abend 25 Besucher und Aktive begrüßen, darunter auch unseren EAH Prof. Hans Hauser v. Mega.

Wie bei einem Burschungsvortrag stellte sich Vasco zunächst mit allen seinen Vornamen vor: António José Jesus de Loureiro. Er meinte, mit Heiligen hätten ihn seine Eltern reichlich ausgestattet. Obwohl im Sauerland geboren, ist er doch im Herzen Portugiese geblieben und kennt sich dort bestens aus. So wurde der Abend zu einer lebendigen und hoch interessanten Lehrstunde über die Geschichte bis zur Gegenwart dieses kleinen Landes am Südwestzipfel Europas, über das die meisten von uns nur sehr wenig wissen.

Die Griechen pflanzten wahrscheinlich schon im Altertum hier Wein an. Aber sicher weiß man das von den Römern bereits im 10. Jahrhundert. Er gedeiht hier prächtig und ist das portugiesische Nationalgetränk. Das war ein Anlass zum ersten Probierschluck! Aber Vorsicht! Diese Weine sind recht kräftig im Geschmack, sehr gehaltvoll und alle hatten wenigstens 13% Alkohol.

Dann beschrieb Vasco die Reise mit dem Auto über 2.000 km durch Frankreich bis Bordeaux, über die Pyrenäen nach Burgos in Spanien und über Salamanca nach Portugal. Obwohl man auch in zwei Stunden fliegen könnte, bevorzugt er die Reise durch diese schönen Landschaften Europas auf der Straße bis ans „Ende der Welt“. Das ist diese süd-westlichste Spitze des Landes, das Cabo de São Vicente. Dort verkauft ein findiger Germane heute „die letzte Bratwurst vor Amerika“, denn ab jetzt gibt es im Westen und Süden nur noch den weiten Ozean und Amerika ist ganz weit hinten.

Als man noch glaubte, auf einer Scheibe zu leben, war es gefährlich, hinter dem Horizont an den vermeintlichen Rand der Erde zu kommen und ins Bodenlose zu fallen. Heinrich der Seefahrer griff wahrscheinlich auf die solideren Kenntnisse maurischer Astronomen und Geografen zurück und verbesserte damit die Karten und die Navigationsmöglichkeiten seiner Flotten entscheidend. Er gilt als Initiator der portugiesischen Entdeckungsreisen und Begründer der See- und Kolonialmacht des kleinen Landes. Seine Schiffe erreichten Brasilien im Westen und Indien auf der Fahrt nach Süden entlang der afrikanischen Küste und um das Kap herum.

Die ersten Siedler in diesem iberischen Gebiet waren die keltischen Lusitanier. Dann kamen die Römer nach Porto, dem damaligen Portus cale. Deshalb heißt das Land heute Portugal. Sie wurden aber bald von den Sueben und Westgoten verdrängt. Schließlich eroberten die Mauren den ganzen Südteil der iberischen Halbinsel. 1139 wurde Alfons I. erster König von Portugal. Es folgte darauf die Blütezeit der Entdeckungen und Erforschungen der „neuen Welt“. In diese Zeit, bis ca. 1580 entdeckten portugiesische Seefahrer wie Bartolomeu Diaz, Pedro Álvares Cabral, Vasco da Gama und Ferdinand Magellan das Kap der Guten Hoffnung, Brasilien, den Seeweg nach Indien und führten die erste Weltumsegelung durch.

Das damals regierende Königshaus starb aus und die Herrschaft Portugals fiel in „spanische Hände“. D.h. die spanische Krone übernahm das Königreich Portugal als spanische Provinz und beutete dieses nahezu komplett aus.

Nach der erneuten Unabhängigkeit von Spanien, übernahmen andere Königshäuser die Macht in Portugal, allerdings konnte man an die vergangenen Erfolge nicht mehr anknüpfen.

Die Monarchie endete 1910, als die Republik ausgerufen wurde. Später (1932) aufgrund von Instabilitäten, Unruhen und Umstürzen begann die Salazar-Diktatur. Erst nach der unblutigen „Nelkenrevolution“ von 1974 (25.April) trat eine Verfassung in Kraft und damit entstand eine parlamentarische Republik.

Portugal hat bis jetzt nur wenig Industrie. Die eigene Landwirtschaft kann die Bevölkerung nicht ernähren. Lebensmittel müssen importiert werden. Exportiert wird hauptsächlich Wein, Kork, Olivenöl und Sardinen. Den berühmten Portwein aus der Douro-Region exportieren und vermarkten seit dem 17. Jahrhundert englische Kaufleute.

Während des Vortrages labte sich die Corona an den verschiedenen Weinen, Scheiben luftgetrockneter Bauernwurst (Chouriço) und Bergkäse (Queijo da Serra). Als Gewürze verwendet der Metzger dort neben Salz und scharfem Paprika auch den hier weniger gebräuchlichen Kreuzkümmel. Die berühmten Sardinen hatte Vasco als würzige Paste serviert. Zum Schluss reichte er noch eine traditionelle Spezialität des Landes: Königskuchen.

dt.: Königskuchen
dt.: Königskuchen

Dieser Kranzkuchen ähnelt unserem Stollen und wird nur in der Weihnachtszeit gebacken. Er ist süß, mit kandierten Früchten aller Art und mit Mandeln reichlich belegt. Dazu passte dann der süße Moscatel-Wein.

 

Herzlichen Dank unserem lieben Vasco und seiner Frau für diesen schönen und interessanten Extischabend! Inzwischen hatte es aufgehört zu schneien und alle konnten einen sicheren Heimweg antreten.

 

 

Horst Mauser v. Morse.
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